LiteraturVeranstaltung

Lesung: „Kontinentaldrift“ von Hannu Raittila

Lesung mit Hannu Raittila in der Stadtbibliothek Köln

Lesung mit Hannu Raittila in der Stadtbibliothek Köln
Autor Hannu Raittila und die Moderatorin des Abends, Hanna Fünger. (Foto: Jenny Lepies)

„Terminaali“, so lautet der Originaltitel des jüngsten Romans von Hannu Raittila. In dieser Woche ist das Werk nun auch in der deutschen Übersetzung unter dem Titel „Kontinentaldrift“ erschienen. Nach dem Ende der Frankfurter Buchmesse folgte Raittila daher der Einladung der Kölner Stadtbibliothek, des Luchterhand Literaturverlags, des Instituts für Skandinavistik/Fennistik der Universität zu Köln sowie der DFG-Köln, für eine Lesung am 14. Oktober 2014 in die Kölner Stadtbibliothek zu kommen.

 

Als Satiriker und großen Humoristen mit dem besonderen Gespür für die absurden Seiten der Gegenwart beschreiben einige Stimmen des deutschen Kulturbetriebs die Literatur Raittilas. Zur Begrüßung zitiert DFG-Vorstandsmitglied und Professorin für Fennistik an der Universität zu Köln, Marja Järventausta, diese Einschätzungen und bereitet so auf den Abend mit dem Träger des renommierten Finlandia-Preises vor.  „Sein Schreiben wird zugleich oft als ‚Ingenieursprosa‘ bezeichnet“, so Järventausta. Genauigkeit und Präzision in der Beschreibung prägen seinen Erzählstil.

Ein Leben in der Abflughalle

Das wird nicht zuletzt in „Kontinentaldrift“ deutlich. Unter der Moderation des DFG-Mitglieds Hanna Fünger tauchen die rund 40 Zuhörer ein in die Welt der vier Protagonisten: die zwei Teenager-Freundinnen Paula und Sara, sowie die Eltern von Paula, Pirjo und Johan. Wie der finnische Romantitel bereits andeutet, spielt das Leben an Flughäfen, an Terminals eine besondere Rolle für die Mädchen. Vom bloßen „Herumhängen“ am Airport Helsinki-Vantaa aus suchen sie über die verschiedenen Flughäfen der Welt ihren Weg im Leben. Einige Jahre hangeln sie sich von Flughafen-Job zu Flughafen-Job und verlieren sich schließlich aus den Augen. Als Sara Jahre später ihre Freundin Paula wiedersieht, stellt sich die zentrale Frage, ob Menschen wieder zueinander finden können.

Es ist ein Familienroman, vielleicht sogar ein literarisches Road-Movie, den Hannu Raittila entworfen hat. Aus verschiedenen Perspektiven erzählt, an vielen Plätzen der Welt angesiedelt. „Ich wollte einen Roman über die Globalisierung schreiben“, sagt er im Gespräch mit Hanna Fünger. Das ist als Thema aber schwer in einem Roman zu lesen, so Raittila mit einem Augenzwinkern. Daher hatte er die Lebensweise der Mädchen auf den Flughäfen entworfen und mit dem Aufbau aus unterschiedlichen Erzählperspektiven von Sara, Paula und ihren Eltern kombiniert. „Erst die Vielfalt der Stimmen macht die Welt aus“, meint der Autor.

Raittilas Faszination für Subkulturen

Durch die Blickwinkel der Mädchen beziehungsweise jungen Frauen konnte der 57-jährige Raittila auch seiner Faszination für Subkulturen eine literarische Form geben. Nicht nur das Leben auf dem Flughafen bildet eine eigene kleine Subkultur, auch die Interessen der Teenager nimmt Raittila auf. Das geschieht insbesondere durch Figuren der TV-Serie „Twin Peaks“. Die Sendung aus den 1990er Jahren von David Lynch war in Finnland ein großer Erfolg, besonders bei jungen Mädchen, die von den Mystery-Elementen fasziniert waren. Es geht darin um die Kleinstadt Twin Peaks, in der die 17-jährige Laura Palmer ermordet wird. Gerade diese Figur ist es, die insbesondere für Paula und ihre Mutter zur Schlüsselfunktion wird.
In den drei ausgewählten Passagen – die finnischen gelesen vom Autor, die deutschen gelesen von Hanna Fünger – hatten die Zuhörer die Gelegenheit, mehr über die Romanfiguren und ihre Erlebnisse zu erfahren. (Text: Jenny Lepies)

Hannu Raittila, Kontinentaldrift, Luchterhand Literaturverlag, 21,99 Euro.