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„Ich verschmelze mit der Einsamkeit in Lappland“

Das Reden gehört bei dem Moderator Jürgen Domian zum Job. In seiner nach ihm benannten Sendung wollen Menschen Rat zu ihren Problemen und Ängsten. Einmal im Jahr nimmt sich er sich davon eine Auszeit und sucht die Einsamkeit im finnischen Lappland. Die Begeisterung für Finnland hat Domian auch zur DFG-Köln gebracht. Seit 2002 ist er Mitglied im Verein.

 

Für viele Anrufer ist Jürgen Domian oftmals die einzige Person, der sie vertrauen. Verzwickte Liebesgeschichten, tragische Abhängigkeiten zu Alkohol oder Drogen, der Verlust eines geliebten Menschen – Domian redet, fragt nach, berät, nickt verständnisvoll. Und das fünf Nächte in der Woche. Seine Sendung „Domian“ im WDR-Fernsehen und parallel im Radio auf 1Live sehen und hören regelmäßig um 1 Uhr nachts bis zu 220.000 Leute. Rund 15.000 versuchen pro Sendung anzurufen. Sie alle wollen eines: reden.

Dass die persönlichen Geschichten auch an der Kraft des Moderators zehren, ist nicht verwunderlich. In dem Land Finnland hat der 57-Jährige aber eine landschaftliche Quelle gefunden, um wieder aufzutanken: „Zwar habe ich auch Nord-Schweden und Nord-Norwegen erkundet. Doch das finnische Lappland ist etwas ganz Besonderes. Dort kann ich völlig abschalten“, sagt er.

Der finnische Funke war übergesprungen

Der erste Besuch von Domian in Finnland liegt bereits mehr als zwölf Jahre zurück. Eigentlich hatte es mit einem Freund zum Ski fahren in die Alpen gehen sollen, doch alles war ausgebucht. Da lockte eine Anzeige für das schneereiche Nord-Finnland. Bei -33 Grad Celsius und Schneesturm stieg er damals aus dem Flugzeug. „Ich fand das traumhaft“, erinnert er sich und kommt ins Schwärmen: Schnee, Polarlichter, klirrende Kälte und das Dämmerlicht. Der finnische Funke war auf ihn übergesprungen. Seitdem reist er jedes Jahr nach Finnland, nun eher im Sommer, aber stets ganz weit in den Norden.

Die Gegend Enontekiö im nord-westlichen Zipfel Finnlands und auch um den Inarijärvi herum nennt Domian als seine Erholungsgebiete. Im besten Fall vier Wochen lang richtet er sich sein Lager in einem Mökki ein, das er von Bauern mietet. Zu jeder Reise ein anderes, aber immer spontan gefunden, nicht vorher im Reisebüro oder Internet gebucht. „Mir ist es wichtig, dass die Hütte recht abgelegen ist, im Wald oder an einem See“, sagt er. Beides gibt es in Finnland bekanntermaßen reichlich.

Eine neue Perspektive durch das Wandern

Domians einzige Beschäftigung während der Wochen in Finnland ist das Wandern. Das Dörfchen Kilpisjärvi zählt zu seinen Lieblingsplätzen. Es liegt in der Nähe des Dreiländerecks von Finnland, Schweden und Norwegen auf rund 400 Metern über dem Meeresspiegel. Die Landschaft ist dort karg und geprägt von hohen Fjells. „Meist suche ich mir Wege über leichte Anhöhen, wo ich einen Ausblick habe und sich die endlose Weite vor mir erstreckt. Man erkennt keine Häuser, keine menschliche Spur. Das ist atemberaubend.“ Diese neue Perspektive macht für ihn das Wandern deshalb zum Pilgern. Er findet in dieser Weite eine Ruhe und Zeit zum Abschalten.

In den ersten zehn, zwölf Tagen ist das für Domian auch immer schwer. Gerade bedingt durch den Beruf kommen viele Geschichten aus dem Gedächtnis oder auch eigene Probleme hoch. Man ist leicht versucht, mal eben mit Freunden zu telefonieren oder in eine Kneipe fahren. „Doch die Belohnung, wenn man dem widersteht, ist groß. Bei mir ist das eine wirkliche Leere“, sagt Domian und beschreibt damit die Zen-Philosophie, nach der er lebt. Die innere Leere ist das Ziel aller Zen-Energie. Und wenn er mit der Einsamkeit, der Stille und der Natur dort in Lappland verschmilzt, ist er diesem Ziel ein Stück näher. „Vier Wochen sind dennoch meist zu kurz, um die komplette Ruhe zu genießen“, sagt Domian wehmütig. Sobald er in wieder Deutschland und der hektischen Großstadt Köln ist, packt ihn oftmals sofort wieder das Fernweh. Doch der Moderator kann es meist nur einmal im Jahr einrichten, sich eine Finnland-Auszeit zu nehmen.

Lappland wird zur Filmkulisse

Einen besonderen Finnland-Aufenthalt hatte Jürgen Domian im letzten Sommer. Denn die lappländische Natur bildete die Kulisse für die Verfilmung seines Buchs „Interview mit dem Tod“ (2012). Das Filmteam begleitete ihn in die Nähe von Muonio in Fjell-Lappland. Entstanden ist ein Portrait-Film über Domian und seine Gedanken zu Tod und Sterben. Das Thema der Endlichkeit fügt sich dort ohne Kitsch in die endlose Weite und den Gleichmut der Natur. „Der Film wird deshalb auch eine große Werbung für Lappland sein“, ist Domian überzeugt. Voraussichtlich in diesem Mai soll der Film in die Kinos kommen. Dann ist Jürgen Domian vermutlich bereits schon voller Vorfreude auf seine nächste Finnland-Reise.
(Text: Jenny Lepies)